Byblis, die Regenbogenfalle

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Erstbeschreibung R. A. Salisbury 1808

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Systematik

Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Regenbogenpflanzengewächse (Byblidaceae)
Gattung: Regenbogenpflanzen
Bot. Name: Byblis
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Die Erstbeschreibung der Regenbogenpflanze erfolgte im Jahre 1808 durch den britischen Naturwissenschaftler Richard Antony Salisbury. Die damals beschriebene Pflanze war Byblys liniflora. Die Regenbogenpflanze wurde lange Zeit, wohl aufgrund ihrer zahlreichen Klebetropfen, fälschlicherweise in die Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) eingeordnet. Im Jahre 1848 ordnet Georg Bentham die Regenbogenpflanze in die Familie der Pittosporaceae (Klebsamengewächse) ein. Vom Jahre 1860 an wurde sie zu der Familie der Lentibulariaceae (Wasserschlauchgewächse) gezählt, dazu gehören beispielsweise Pinguicula, Genlisea und Utricularia. Erst im Jahre 1902 wurde der Gattung durch K. Domin ihre eigene Familie Byblidaceae zugeschrieben und die Karnivorie nachgewiesen, es wurden allerdings erst im Jahre 2004 verdauungsunterstützenden Enzyme im Verdauungssekret der Regenbogenpflanze nachgewiesen. Durch Siggi Hartmeyer sind im Tau der Byblis Pilze nachgewiesen worden, welche ebenfalls für die Verdauung von Insekten geeignet sein sollen.

Die botanische Bezeichnung der Pflanze stammt aus der griechischen Mythologie. Byblis, Appolos Enkelin und Tochter von Miletus und Cyance war unsterblich in ihren Zwillingsbruder Caunus verliebt. Dieser jedoch wies sie zurück und floh. Unglücklich löste sie sich vor Kummer in unendlich viele im Sonnenlicht glitzernde Tränen auf und verwandelte sich in eine Quelle. Der deutsche Name der Regenbogenpflanze leitet sich ebenfalls von auf den Blättern sitzenden Tautropfen der Pflanze ab. Diese reflektieren bei Sonneneinstrahlung das Licht und schimmern in verschiedensten Farben.

Die Regenbogenpflanzen sind terrestrische, krautige, aufrecht wachsende, bis auf Byblis gigantea einjahrige, kleine bis mittelgroße Sträucher. Die Blätter der Pflanze sind länglich rund und wachsen in alle möglichen Richtungen rund um den Stamm herum schräg nach oben. Die Farbe der Blätter ist dunkel- bis hellgrün, kann aber bei intensiver Sonneinstrahlung in ein mehr oder weniger kräftiges rot übergehen.

Die Blätter aller Arten sind rumdum mit Tentakeln besetzt, an deren Ende sitzen die Fangschleim produzierenden Drüsen. Auf der Blattoberfläche selbst und am Stamm befinden sich zahlreiche sitzende Drüsen, welche für die Produktion eines Sekrets verantwortlich sind. Ob dieses Sekret nun Verdauungsenzyme enthält mit deren Hilfe das Opfer zersetzt wird, oder ob diese Aufgabe der im Fangschleim nachgewiesene Pilz übernimmt, ist bis heute noch ein Streitobjekt.

Die Gattung der Regenbogenpflanze umfaßt fünf tropische Arten. Die Byblis ist eher leicht und zierlich aufgebaut, der relativ dünne Stamm gibt der Pflanze wenig Halt (Byblis gigantea ist die einzige mehrstämmige Art), auch die Wurzeln sind dünn und flachbildend und reißen leicht ab. Byblis gigantea bildet als Ausnahme einen verholzenden Spross und einen tieferreichenden hitze- und feuerresistenten Wurzelstock aus und kann so Buschbrände oder längere Trockenperioden überstehen.

Die Verbreitung der Regenbogenpflanze beschränkt sich auf Nordaustralien (hier liegt das Hauptverbreitungsgebiet), Westaustralien und den Süden Neu Guineas.

Dort wächst sie bevorzugt in sandigen, leicht feuchten, saisonal nassen Böden an vollsonnigen Standorten. Die Ausnahme bildet hier Byblis aquatica, diese wächst meist stehend im Wasser oder aufliegend der Wasseroberfläche entlang. Die Regenbogenpflanze gedeiht, aufgrund ihres relativ instabilen Aufbaus, vorzugsweise in direkter Nachbarschaft mit kleinen Sträuchern, Büschen oder Felsen, an welchen sie hochwächst und so versucht ein Umfallen bei starkem Wind oder anderen Umwelteinflüssen zu verhindern.

Das Klima am Naturstandort reicht von feucht-tropisch bis mediterran, die einjährigen Pflanzen gedeihen im australischen Winter und sterben in den heißen, trockenen Sommermonaten ab, Byblis gigantea zieht sich während dieser Zeit in ihren Wurzelstock zurück.

Die Regenbogenpflanze ist nicht in der Lage ihre Blätter oder Fangtentakel zu bewegen und zählt somit zu den passiven Klebefallen. Die Beute wird durch das auf den Tentakelenden sitzende, im Sonnenlicht schimmernde und an Tautropfen erinnerde Fangsekret angelockt. Die Beute besteht hauptächlich aus fliegenden Insekten wie Mücken oder Fliegen.

Kommt ein Beutetier mit dem Fangschleim in Berührung wird dieses durch die klebrige Substanz festgehalten und am Entkommen gehindert. Das Opfer stirbt letztendlich durch Erschöpfung oder erstickt an dem klebrigen Fangschleim. Ob die gefangene Beute nun mithilfe eines enzymenhaltigen Sekret welches die sitzenden Drüsen produzieren, oder durch den von Hartmeyer nachgewiesenen Pilz zersetzt wird ist noch nicht eindeutig geklärt.

Aufgrund von Beobachtungen am Naturstandort, bei welchen auf allen Arten Wanzen beobachtet wurden die sich von den Opfern der Pflanze ernährten, existieren auch Vermutungen das die Pflanzen, ähnlich wie Roridula, von den Exkrementen der Wanzen profitieren. Diese könnten entweder über den Boden als Dung oder direkt über das Blattwerk aufgenommen werden. Eine endgültige Klärung hierüber steht noch aus.

Alle Arten der Gattung gedeihen vorzugsweise an einem hellen, luftigen, möglichst vollsonnigen Standort bei einer Luftfeuchte idealerweise zwischen 50% und 60%. Als Standort eignet sich gut ein helles Süd- oder Ostfenster oder eine sonnige, geschützte Stelle im Freien, von der Kultur im Terrarium ist abzuraten.

Die einjährigen Arten werden vom Frühjahr bis zum Herbst kultiviert und müssen jedes Jahr neu aus Samen gezogen werden. Byblis gigantea überwintert man am Besten an einem kühlen, luftigen und relativ trockenen Standort. Das Substrat sollte vorwiegend aus Sand bestehen, bewährt hat sich ein Gemisch aus grobkörnigem Quarzsand und Torf. Das Substrat sollte nur mäßig feucht gehalten werden, eine Bewässerung im leichten Anstau ist also möglich. Der Untersetzter sollte allerdings ab und zu ein paar Tage trocken stehen, dadurch haben die Wurzeln Gelegenheit auch mal abzutrocknen. Das Kulturgefäß sollte recht großzügig dimensioniert sein, Byblis gilt als sehr wurzelempfindlich und nimmt ein Umtopfen gerne übel.

Die Vermehrung der Regenbogenpflanze gelingt nur auf dem generativen Weg, also über Samenaussaat. Im Gegensatz zu vielen anderen Karnivoren gestaltet sich dies aber als recht einfach und kurzwierig, einmal gekeimt wachsen die Sämlinge in kurzer Zeit zu recht großen und blühfähigen Pflanzen heran. Am Naturstandort keimen die Samen erst nach Buschbränden, weswegen die Samen in Kultur stratifiziert werden müssen. Dies gelingt entweder durch Hitze, Rauch oder die Verwendung von Gibberellinsäure.

By | 2017-06-26T05:09:27+00:00 Januar 29th, 2015|Gattungen|0 Kommentare