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Kultur 2017-06-26T05:09:25+00:00

Kulturtipps

Tipps zur Beleuchtung von Karnivoren

Natürliches Habitat

Natürliches Habitat

Vorneweg sei gesagt eine „Kompromiß- oder Pauschalbeleuchtung“ für alle Gattungen gibt es nicht. Diese Tatsache begründet sich darin, das Karnivoren nahezu in allen Teilen der Welt vorkommen und sich jeweils den klimatischen Gegebenheiten (Temperatur, Tageslänge, Winterruhe, etc.) angepaßt haben.

Zudem wachsen einige Arten in Höhen bis weit über 2000 Meter, wo die Lichtintensität natürlich um ein vielfaches höher ist als im Tieflanddschungel. Außerdem bevorzugen einige Arten eine dichte üppige Vegetation am Naturstandort, andere wiederum stehen lieber am besten unschattiert in der prallen Sonne. Dieser Umstand muß natürlich auch bei der Kultur der einzelnen Gattungen oder Arten berücksichtigt werden.

Auch die Beleuchtungsdauer spielt eine sehr wichtige Rolle. Während beispielsweise in äquatornahen Gegenden die Tages- und Nachtlänge das ganze Jahr über jeweils ca. 12 Stunden beträgt, sind z.B. in unseren Breitengraden im Sommer die Tage ca. 14 Stunden lang und im Winter die Nächte ca. 14 Stunden lang. Bei der Kultur von Karnivoren sollte also nicht nur auf die richtige Lichtqualität sondern auch auf adäquate Beleuchtungsdauer geachtet werden. Auch sollte die Beleuchtungsdauer gegebenenfalls der Herkunft gemäß den unterschiedlichen Tageslängen in den Sommer- und Wintermonaten am natürlichen Standort angepaßt werden. Einige Arten richten ihre Ruhe- und Wachstumsphasen daran aus, bei anderen Arten wiederum wird durch die Verkürzung der Beleuchtungdauer die Blüte induziert.

Kultur unter künstlicher Beleuchtung

Kultur unter künstlicher Beleuchtung

Symptome für zu wenig oder zu schwache Beleuchtung können folgende sein:

  • die charakteristische Färbung ist schwach oder bleibt gänzlich aus
  • die Pflanzen bilden unnatürlich lange, dünne und instabile Blätter
  • Tautropfen an Drosera bleiben aus
  • Nepenthes bilden keine Kannen
  • Heliamphora bilden keine oder verkümmerte Deckelchen
  • Sarraccenia bilden nur noch Phyllodien

Die Lichtbedürfnisse der einzelnen Arten können grob in 5 Bereiche unterteilt werden:

  • Extrem hell, sehr sonnig: Heliamphora, Drosophyllum, Roridula
  • Sehr hell, sonnig: Sarracenia, Dionaea, Drosera (artbedingt), Byblis
  • Hell, sonnig: Cephalotus, Darlingtonia, mex. Pinguicula, Drosera (artbedingt), Zwergdrosera
  • Hell, teilweise sonnig: Genlisea, Pinguicula (artbedingt), Utricularia, Hochland-Nepenthes, Aldrovanda
  • Hell, wenig direkte Sonne: Tiefland-Nepenthes, Queensland-Drosera

Bei der Kultur im Freien, wozu sich relativ wenige Arten eignen, ist auf einen luftigen, vollsonnigen, bestenfalls um die Mittagszeit leicht schattierten Standort zu achten. Viele Pflanzen bilden nur unter reichlich Sonnenlicht ihre charaktristischen Formen und Farben aus.

Sollen fleischfressende Pflanzen unter Kunstlicht kultiviert werden steht die Auswahl eines geeigneten Leuchtmittels an. Zu empfehlen sind hier NHDL (Natriumdampflampen), HQI (Metalldamplampen) oder LSR (Leuchtstoffröhren). Ergänzungshalber sind hier noch ESL (Energiesparlampen) und HQL (Quecksilberdampflampen) zu nennen. Diese eignen sich aber, aufgrund schlechter Lichtausbeute, bzw. nicht geeignetem Lichtspektrum, unserer Ansicht nach nur bedingt zur Beleuchtung von Karnivoren.

Bei der Benutzung von Leuchtstoffröhren (hier sind, wegen der höheren Leistung, T5 Rähren den T8 Röhren vorzuziehen) sollte unbedingt darauf geachtet werden das nur Leuchtmittel mit den entprechenden Lichtfarben verwendet werden. Eine Mischung der Lichtfarben 840 (4000 Kelvin) und 865 (6500 Kelvin) im Verhältnis eins zu eins scheint dem natürlichen Tageslicht recht nahe zu kommen.

Tipps zu Substratmischungen bei der Kultur von Karnivoren

Auch das Substrat stellt einen sehr wichtigen Faktor bei der erfolgreichen Haltung unserer Pflanzen dar. Das Substrat sollte über bestimmte Eigenschaften verfügen, d.h. der PH-Wert sollte bei 4-5 liegen, das Substrat locker strukturiert, luftdurchlässig, wasserspeichernd und vor allem ziemlich nährstoffarm sein.

Hochmoor- oder Weißtorf besitzt all diese Eigenschaften. Weißtorf ist braun, zum größten Teil faserig und besteht hauptsächlich aus zersetztem Sphagnum (Torfmoos) und anderen Moorpflanzen. Das ist auch der Grund weshalb Weißtorf bei den meisten Substratmischungen für Karnivoren als Grundsubstrat verwendet wird. Aufgelockert oder gemischt mit Sand, Perlite, Blähton oder Kokosfasern wird man den Substratansprüchen aller karnivoren Gattungen gerecht.

Lebendes oder totes Sphagnum ist ebenfals sehr gut als Substratgrundlage geeignet. Hierbei gilt zu beachten das totes Sphagnum, wenn es zu naß gehalten wird, zum verrotten tendiert. Es sollte also möglichst nicht als Substrat bei Pflanzen verwendet werden welche ständig im Anstau bewässert werden. Bei der Verwendung von lebendem Sphagnum ist darauf zu achten das kleinwüchsige Pflanzen wie manche Drosera oder Utricularia von Sphagnum überwuchert werden können, da es relativ schnell wächst.

Für den Einstieg ist die Spezial-Karnivorenerde von der Gärtnerei Carow & Wrono recht gut als Universal-Substrat für alle Karnivoren geeignet. Spezielle Substratmischungen für die einzelnen Gattungen werden in der Rubrik Gattungen näher behandelt.

Tipps zur Luftfeuchtigkeit bei der Kultur von Karnivoren

Die Luftfeuchtigkeit stellt den vierten großen Faktor bei der Karnivorenkultur dar. Auch hier gibt es keinen Pauschalwert, da die relative Luftfeuchtigkeit je nach natürlichem Habitat der verschiedenen Gattungen stark variiert. Bei der Kultur unserer Pflanzen sollte dieser Umstand unbedingt berücksichtigt werden, Heliamphora und beispielsweise Roridula oder Drosophyllum in einem Becken zu halten würde auf Dauer nicht gut gehen.

Am Besten läßt sich die Luftfeuchtigkeit in einem Terrarium regulieren, je nachdem wie weit das Terrarium abgedeckt wird ergeben sich Werte von ca 40% bis zu knapp 100% Luftfeuchtigkeit bei völliger Abdeckung. Ist das Terrarium ganz abgedeckt muß unbedingt für eine gute Luftumwälzung gesorgt und darauf geachtet werden das kein Wärmestau entsteht. Stehende, gespannte Luft ist auf jeden Fall zu vermeiden.

Ein sehr grober überblick über die Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit:

  • 70%-100%: Nepenthes, Utricularia (artenbedingt)
  • 60%-70% : Heliamphora, Utricularia (artenbedingt), trop. Drosera, Pinguicula (artenbedingt)
  • 40%-60% : Sarracenia, Cephalotus, Drosera, Pinguicula (artenbedingt), Dionaea

Bei den meisten handelsüblichen Terrarien ist eine sogenannte Kaminlüftung vorhanden. Wird aber z.B. ein Aquarium oder ähnliches als Kulturbecken verwendet kann der Luftaustausch beispielsweise mit in den Deckel montierten PC-Lüftern erfolgen. Werden die Pflanzen offen im Zimmer, z.B. auf der Fensterbank kultiviert, tragen mit Wasser gefüllte Schalen oder dicke Sphagnumpolster auf der Substratoberfläche durch Verdunstung zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei.

Eine weitere Möglichkeit die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen sind die sogenannten Ultraschallzerstäuber. Diese Geräte gibt es in verschiedenen Varianten. Die kleine Variante wird in ein Gefäß mit Wasser gestellt und erzeugt durch Ultraschall einen feinen Sprühnebel, verbrauchen aber durch starkes umherspritzen relativ viel Wasser. Die größeren und auch teuren Geräte verfügen über einen Wassertank, hier wird der Nebel per Ultraschall im Gerät selbst produziert und über einen Schlauch abgeleitet.

Bei der Kultur draußen im Moorbeet oder Moorbecken herrscht im Normalfall durch Verdunstung über die Substratoberfläche ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit.

Tipps zu Standorten bei der Kultur von Karnivoren

Der Standort für fleischfressende Pflanzen sollte also so gewählt werden, das er den jeweiligen Anforderungen bezüglich der Kulturbedingungen unserer Pflanzen gerecht wird. Tropische Arten kultiviert man am Besten in einem Terrarium mit Zusatzbeleuchtung, einheimische Droseras und die meisten Sarracenien fühlen sich das ganze Jahr über im Freien (Moorbeet, Moorbecken, bepflanzte Schale) wohl.

Wir kultivieren unsere Hochlandarten in einem ausgedienten Aquarium, dieses steht in einem ungeheizten Kellerraum. Der Luftaustausch erfolgt durch im Deckel montierte Lüfter. Für die entsprechende Luftfeuchtigkeit sorgt ein Ultraschallzerstäuber und eine Beregnungsanlage. Der vom Ultraschallzerstäuber erzeugte feine Nebel wird über einen Schlauch in das Beckeninnere geleitet.

Die Beregnungsanlage ist in einen geschlossenen Wasserkreislauf integriert und zieht das Wasser aus einer zirka 10 Zentimeter hohen Drainageschicht. Das Wasser aus der Drainage wird zusätzlich durch einen Eheim Außenfilter gereinigt.

Das Tieflandbecken ist ähnlich aufgebaut wie das Hochland – Pendant. Die Bewässerung geschieht hier über einen Eheim Außenfilter, welcher das Wasser aus einer Drainageschicht zieht und über einen gelochten Schlauch über die Rückwand wieder ins Becken befördert.

Unsere Sarracenia, winterharte und temperierte Drosera, Dionea, Darlingtonia californica winterharte und temperierte Utricularia sind in unserem Moorbeet oder in verschiedenen Gartenbecken zuhause.

Ein Teil dieser Pflanzen verbringt das ganze Jahr im Freien, der andere Teil überdauert die Wintermonate in einem beheizten Gewächshaus bei ca 5° Celsius. Das Moorbeet ist mit Weißtorf befüllt auf dem sich eine dicke Schicht Sphagnum befindet.

Alle Pflanzen, bis auf ein paar absolut winterharte Arten (Drosera rotundifolia, Darlingtonia californica usw.), sind in großen Töpfen gepflanzt, welche tief in der Sphagnum und Torfschicht versenkt sind. So können die Pflanzen zur überwinterung oder zur Befreiung von alten Blättern ohne größeren Aufwand aus dem Beet geholt und wieder eingebracht werden.

Tipps zur Bewässerung von Karnivoren

Einen weiteren wichtigen Faktor zur erfolgreichen Kultur fleischfressender Pflanzen stellt das Gießwasser dar. Da die meisten Karnivoren in extrem nährstoffarmen Gegenden beheimatet sind, sollte ausschließlich mit destilliertem Wasser, gesammeltem Regenwasser oder Osmosewasser gegossen werden. Leitungswasser führt bei dauerhaftem Gebrauch sehr schnell zum ableben der Pflanzen. Normales Leitungswasser enthält zu viele Salze und Mineralien, welche sich bei längerem Gebrauch im Substrat ansetzen und somit die Subsratqualität auf Dauer negativ beeinflussen.

Karnivoren leben vorwiegend in extrem feuchten, teilweise sogar nassen Gebieten wie Feuchtwiesen, fließenden und stehenden Gewässern oder Mooren und Sümpfen, brauchen also auch in Kultur jede Menge Wasser. Die einfachste und auch kostengünstigste Methode an Gießwasser für fleischfressende Pflanzen zu kommen ist das sammeln von Regenwasser in einem geeigneten Behälter. Besteht dazu keine Möglichkeit wird man auf Dauer um den Kauf von destilliertem Wasser oder einer relativ teuren Umkehrosmoseanlage nicht herumkommen. Die Umkehrosmose ist ein physikalisches Verfahren wodurch normales Leitungswasser in hochwertiges Wasser umgewandelt wird.

Viele Karnivoren können im Anstauverfahren bewässert werden. Dabei können die Kulturgefäße gut zwei bis drei Zentimeter im Wasser stehen. Ist das Wasser aufgebraucht wird wieder nachgegossen. Die Schalen können sporadisch erst ein bis zwei Tage nachdem das Wasser aufgebraucht wurde wieder befüllt werden, um ein „vermatschen“ des Subtrats zu verhindern und für eine gelegentliche Belüftung der Wurzeln zu sorgen.

Temperierte und winterharte Arten sollten während des Winters nur mäßig feucht gehalten werden um Schimmel oder Wurzelfäule vorzubeugen. Hierzu werden die Pflanzen nur leicht von oben bewässert, so das sich in den Untersetztern kein Wasser befindet. Arten die am Naturstandort saisonal bedingte Trockenperioden überstehen müssen, wie z.B. mexikanische Pinguicula im Winter oder australische Drosera im Sommer, werden während dieser Zeit fast ganz trocken gehalten.

Tipps zur Temperatur beider Kultur von Karnivoren

Auch die Temperatur sollte bei der Kultur unserer Pflanzen so weit wie möglich den Gegebenheiten am Naturstandort angepaßt werden. Entsprechend dem großen Vebreitungsgebiet von Karnivoren stellen diese auch unterschiedliche Ansprüche an die Temperatur.

Pflanzen welche in gemäßigten Klimazonen beheimatet sind, legen in der kälteren Jahreszeit zumeist eine Winterruhe ein (dies sollte bei der Kultur unbedingt berücksichtigt werden), Pflanzen aus äquatornahen Gebieten finden, was Lichtintensität und Temperatur angeht, ganzjährig fast gleichbleibende Bedingungen vor.

Aber auch die Ansprüche tropischer Arten unterscheiden sich je nach Herkunftsort. Im Tieflanddschungel auf Borneo herrschen beispielsweise tags- und nachtsüber ziemlich gleichbleibende Temperaturen zwischen ca. 23° und 28° Celsius, während im borneoschen Hochland oder auf den südamerikanischen Tepuis eine heftiges Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht zu verzeichnen ist, ja die Temperatur nachts oft sogar unter 10° Celsius fällt.

Die Temperatur im Kulturbecken kann auf verschiedene Weise reguliert werden. Bei oben offenen Behältern wie Terrarien kann die Temperatur durch teilweises abdecken mit Plexiglas (das Becken wird dann durch Sonnenlicht oder künstliche Beleuchtung erwärmt) erhöht werden, wobei unbedingt darauf zu achten ist das kein Wärmestau entsteht.

Wesentlich schwieriger ist eine Temperaturabsenkung zu bewerkstelligen. Eine Nachabsenkung im tropischen Becken um ein paar Grad wird meist schon mit dem Ausschalten der Beleuchtung erreicht. Soll dagegen z.B. an heißen Sommertagen die Tagestemperatur gesenkt werden, ist meistens eine teure Klimanlage vonnöten.

Wir kühlen unser Hochlandbecken mit einer Kombination aus Beregnungsanlage, Ultraschallvernebler und in den Deckel integrierten PC-Lüftern. Durch diese Methode ist auch tagsüber eine Absenkung um ein paar Grad Celsius möglich. Dies funktioniert allerdings nur in Räumen in welchen die Temperatur deutlich unter der Temperatur im Kulturbecken liegt.

Einige fleischfressende Pflanzen benötigen in den kalten Jahreszeiten eine Winterruhe. Tropische Karnivoren wachsen das ganze Jahr über bei gleichbleibenden Bedingungen. Subtropische Arten und solche aus gemäßigten Klimazonen legen jedoch meist eine Winterruhe ein, diese Ruhepausen sind auch bei der Kultur unbedingt einzuhalten.

Je nach Art müssen die Pfalnzen unterschiedlich überwintert werden. Während beispielsweise einige Sarracenien und Droseras absolut winterhart sind und somit den Winter am Besten im Freien verbringen, überwintert man Dionea und nicht ganz winterharte Sarracenien und Droseras idealerweise an einer geeigneten, kühlen aber hellen Stelle im Keller oder der Garage.

Eine Sonderstellung nehmen hier die im Winter wachsenden Zwerg- und Knollendrosera ein. Diese gedeihen hervorragend bei einer Temperatur zwischen ca. 10° und 15° Celsius. Hier sollte in den Wintermonaten eventuell mit künstlichem Licht dazubeleuchtet werden.