Roridula, die Wanzenpflanze

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Erstbeschreibung Carl von Linne 1764

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Systematik

Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Wanzenpflanzengewächse (Roridulaceae)
Gattung: Tau- oder Wanzenpflanzen
Bot. Name: Roridula
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Die Gattung der Taupflanzen wurde anhand von Roridula dentata im Jahre 1764 durch Carl von Linne beschrieben. Die Taupflanze stellt die einzige Gattung in ihrer Familie dar und umfasst die zwei Unterarten Roridula gorgonias und Roridula dentata. Es wird davon ausgegangen das die Gattung früher noch weitere Arten enthalten haben könnte, diese jedoch mittlerweile ausgestorben sind.

Die Taupflanze wurde einst, wohl aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Sonnentau, fälschlicherweise in die Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae) eingegliedert, steht mittlerweile aber in ihrer eigenen Familie der Wanzenpflanzengewächse (Roridulaceae).

Roridula wurde lange Zeit als nicht karnivore Gattung eingestuft. Man ging davon aus das die Pflanze wohl über Mechanismen zum Fang von Insekten verfügt, diese aber weder selbständig noch mit Hilfe von Bakterien zersetzen kann und wurde deshalb als präkarnivor angesehen. Im Jahre 2006 wurde diese Ansicht durch Untersuchungen, bei welchen eine relativ hohe Phosphataseaktivität in der Blattaußenhaut (Epidermis) festgestellt wurde, relativiert. Dies läßt den Schluss zu das die Blattoberflächen der Taupflanze sehr wohl zur Verdauung beitragende Enzyme produzieren.

Roridula fängt Unmengen an Insekten und sondert einen extrem klebrigen, kautschukhaltigen Fangschleim ab, wodurch auch relativ große und starke Insekten wie Wespen, Schmetterlinge und kleinere Libellen der Pflanze zum Opfer fallen. Die Pflanzen sind während der warmen Sommermonate oft regelrecht mit Insektenleichen übersäht.

Die botanische Bezeichnung der Gattung stammt wohl aus dem lateinischen, dort ist roridus gleichbedeutend mit taubesetzt, und spielt auf das Aussehen der auf den Blättern sitzenden Klebetropfen an, welche bei entsprechendem Lichteinfall wie Tautropfen schimmern. Im deutschsprachigen Raum wir die Gattung deswegen Taupflanze genannt, aber auch die Bezeichnung Wanzenpflanze ist des Öfteren zu hören.

Warum Wanzenpflanze werden sich jetzt viele denken. Der Name rührt daher das Roridula den Großteil ihrer Nährstoffe indirekt über eine Symbiose mit Blindwanzen verwertet. Diese Wanzen, auf Roridula gorgonias lebt die Gattung Pameridea roridulae – auf Roridula dentata die Gattung Pameridea marlothii, haben sich im Laufe der Evolution hervorragend an das Leben auf der Wanzenpflanze angepaßt.

Sie ernähren sich von den Insekten, die von der Roridula gefangen werden. Sie bewegen sich mit ihren langen Beinen äußerst geschickt und bedacht auf den Blättern zwischen den zahlreichen mit Klebschleim besetzten Fangtentakeln ohne jedoch selbst kleben zu bleiben. Bleiben sie dennoch mal an einem Klebetropfen hängen befreien sich sich mit langsamen, aber gezielten Bewegungen ohne dabei mit anderen Fangtentakeln in Berührung zu kommen. Anscheinend wurden die Larven der Roridula behausenden Wanzen schon dabei beobachtet wie sie den Fangschleim bei der Häutung unterstützend eingesetzt haben. Dazu kleben die Larven den Chitinpanzer gezielt an einem Tentakel fest und entschlüpfen dann aus der Hülle.

Die Wanzen ihrerseits versorgen die Roridula durch das Ausscheiden ihrer nährstoffreichen Extremente mit Nährstoffen, welche die Pflanze über die Zellwände aufnimmt. Die Ausscheidungen werden durch winzige, eng anliegende Borsten, welche sich auf der Blattoberfläche befindet, verteilt und festgehalten, wodurch die Aufnahme der nährstoffreichen Ausscheidungen zusätzlich erleichtert wird.

Die Wanzenpflanzen sind mehrjährige, bis zu 1.50 Meter hoch werdende, schwach verzweigte Halbsträucher. Die buschförmig angeordneten Blätter sind, je nach Lichtintensität, von gelblich – hellgrün bis rötlich gefärbt und entspringen einem verholzenden Sproß. Die Blätter von Roridula gorgonias sind länglich lanzettförmig, während die Blätter von Roridula dentata seitlich gefiedert sind. Bei beiden Arten sind sie haufenweise mit unterschiedlich langen Tentakeln besetzt, an dessen äußeren Enden die den Fangschleim produzierenden Drüsen sitzen.

Das Verbreitungsgebiet der Roridula beschränkt sich auf Südafrika, dort wächst die Pflanze endemisch in der Nähe von Kapstadt. Die Wanzenpflanze gedeiht bevorzugt auf sauren, extrem nährstoffarmen, sandhaltigen Torf- oder Sumpfböden an vollsonnigen Standorten.

Die Begleitvegetation am Naturstandort ist, aufgrund regelmäßig wiederkehrender Buschbrände, recht spärlich gesäht. Die Sommer im Habitat sind oft von lang anhaltenden Trockenperioden gezeichnet, während diesen kann der Boden ziemlich stark austrocknen. Die Wasserversorgung übernehmen dann die tief in die Erde reichenden Wurzeln, beziehungsweise bei Roridula dentata die gefiederten Blätter durch aufsammeln von Tau.

Roridula gehört zu den passiven Klebefallen, ist also weder in der Lage ihre Blätter, noch die darauf sitzenden Tentakel zu bewegen. Die Blätter der Wanzenpflanze sind rundum mit zahlreichen, unterschiedlich langen Tentakeln besezt. An den äußeren Enden dieser Tentakel sitzen Drüsen, welche den äußerst klebrigen und sehr effektiv wirkenden Fangschleim produzieren. Der Fangschleim der Roridula ist stark kautschukhaltig, die Pflanze produziert wohl den am stärksten wirkenden Klebstoff im Pflanzenreich.

Die Beute wird durch die auf den Tentakeln sitzenden und im Sonnenlicht schimmernden, an Tautropfen erinnernde Kebtropfen angelockt. Einmal mit dem Fangschleim in Berührung gekommen, gibt es für das Beutetier kein Entrinnen mehr. Durch die verschieden hoch angeordneten Tentakel kommt die Beute nun mit mehreren Fangschleimtropfen in Berührung und verklebt noch stärker auf den Blättern. Das gefangene Insekt wird nun von den, die Pflanze behausenden, Wanzen betäubt und anschließend ausgesaugt oder verstirbt an, durch anstrengende Fluchtversuche hervorgerufene, Erschöpfung, beziehungsweise erstickt an dem zähen Fangschleim.

Einen kleinen Teil der Nährstoffaufnahme übernehmen nun in der Epidermis befindliche Enzyme. Den Großteil der Nährstoffe nimmt die Pflanze jedoch über die Extremente der Wanzen durch die Blattoberfläche auf.

Die Wanzenpflanze gedeiht vorzugsweise an hellen, luftigen, möglichst ganztägig vollsonnigen Standorten. Im Sommer mag es die Pflanze ruhig warm bis heiß, die Idealtemperaturen liegen hier zwischen 25° und 35° Celsius. Während den Wintermonaten sollte die Pflanze relativ kühl um die 10° Celsius kultiviert werden.

Eine niedrige bis normale Luftfeuchte von 40% bis 50% ist vollkommen ausreichend, höhere Luftfeuchte ist zu vermeiden. Als Substrat dient ein locker luftiges Torf – Sand Gemisch, welches durch die Zugabe von Vermiculite oder Ähnlichem noch zusätzlich aufgelockert werden kann.

Das Substrat ist nur mäßig feucht zu halten, ein Bewässerung im Anstau über längere Zeit also nicht empfehlenswert. Vor Allem sollte in den kühlen Wintermonaten auf eine gute Luftzirkulation geachtet und das Substrat nur leicht feucht gehalten werden.

Roridula wird am Besten im gut belüfteten Gewächshaus oder im Freien kultiviert, für die Kultur im Terrarium ist diese Gattung völig ungeeignet. Die Wintermonate übersteht die Pflanze gut an einem kühlen Standort am hellen Ost- oder Südfenster.

Die Vermehrung der Wanzenpflanze gelingt gut auf dem generativen Weg über Samen. Diese sollten allerdings zuvor mit Hitze, Feuer oder Rauch stratifiziert werden. Die Pflanze läßt sich auch gut über Kopfstecklinge vermehren. Dazu wird ein Stück des Sproßes ein paar Zentimeter unter der Spitze abgschnitten und in geeignetes Substrat gesteckt und an einem hellen, nicht zu warmen Standort kultiviert. Nach einigen Wochen sollten sich neue, kleine Blätter bilden und der Trieb weiterwachsen.

By | 2017-06-26T05:09:26+00:00 Februar 5th, 2015|Gattungen|0 Kommentare